Berichte zum “I Look To You” Album (deutsch)

Blick Online | 15.07.2009

Triumphales Comeback einer gefallenen Diva

LONDON – Das Drogenwrack ist weg. Und Whitney Houston tritt zurück ins Rampenlicht. Clean, geschieden, schön – und mit neuem Album im Gepäck.
Whitney Houston (45) ist zurück. Ohne Drogen, dafür mit neuem Album. (AP)

Nach sieben schweren Jahren kommen sieben gute. Darauf hofft Soul-Diva und Ex-Pudernäschen Whitney Houston. Nach jahrelangen Drogenexzessen und Alkoholmissbrauch hatte die Musikwelt die alternde Diva abgeschrieben.

Doch plötzlich meldet sich die 45-Jährige zurück. Rausgeputzt, aufpoliert und ganz der alte Profi stellte sie am Dienstagabend in London ihr neues Album «I Look To You» vor.

Das «triumphale musikalische Comeback» des Jahres, wie Houston-Entdecker Clive Davis sagt. Doch dies sehen viele Zuhörer und Kritiker anders. Whitney klinge abgehalftert und ihre Stimme sei beim Koksen drauf gegangen, heisst es.

Das Album kommt zwar erst Ende August in die Läden, Interessierte können aber trotzdem reinhören. Denn wie es sich für (noch) geheime Songs und ein gut durchorganisiertes Comeback gehört, gibt es längst Kostproben auf YouTube.

Vielleicht war ihre Stimme vor dem langjährigen Kokain-Missbrauch ein wenig kräftiger. Doch mit «I Didn´t Know My Own Strength» nimmt sie Miesepetern direkt ein wenig Wind aus den Segeln. Erstaunlich selbstkritisch, erstaunlich abgeklärt.

Und mit dem Titelsong «I Look To You» könnte Houston ohne Weiteres an längst vergangene, kitschig-sülzige «I Will Always Love You»-Momente anknüpfen. Schmalzig. Und irgendwie rührend. Welcome back, Whitney! (b3i)

Kurier | 15.07.2009 | Brigitte Schokarth

Songs, die im Herzen überleben

Nach elf Jahren Pause und privaten Problemen steuert die Popsängerin mit einer neuen CD ihr Comeback an.

Seit 2007 wurde es angekündigt und verschoben, angekündigt und verschoben. Dienstag fiel dann im noblen Mandarin Oriental Hotel in London doch der Startschuss zum Comeback der Whitney Houston. Für mehr als zehn Jahre war die “I Will Always Love You”-Sängerin von der Bildfläche verschwunden – gefangen in einer Ehe mit dem prügelnden Bobby Brown und einer Drogensucht, die sie zum Gerippe abmagern ließ. Entsprechend der Erfolgsgeschichte davor – Houston hat 170 Millionen Tonträger verkauft – war das Medieninteresse am Comeback.

300 Journalisten, angereist aus 25 Ländern, drängten sich im Ballsaal des Mandarin Oriental, um sich das am 29. August erscheinende Album “I Look To You” anzuhören – präsentiert von Whitney Houstons Entdecker Clive Davis, dem Creative Director ihrer Plattenfirma, und der Künstlerin selbst.

Karrieren-Macher Davis, der auch die Karrieren von Janis Joplin, Patti Smith und Alicia Keys begründet und die von Bruce Springsteen gefördert hat, erzählte Geschichten von der Arbeit mit Houston, der er 1984 ihren ersten Plattenvertrag gegeben hatte. Dazwischen spielte er neun Songs aus “I Look To You” vor, darunter das von Alicia Keys geschriebene “Million Dollar Bill” und das Akon-Duett “Like I Never Left”.

Der erste Eindruck: Die Stimme ist dunkler geworden, klingt aber so kräftig wie eh und je. Der Sound ist typisch Houston: Ein Pop-R’n'B-Mix mit Hit-Potenzial. Ganz fertig ist “I Look To You” noch nicht. Einen der Songs hat Houston erst voriges Wochenende eingesungen und auch an der endgültigen Songauswahl wird noch gefeilt: “Ich habe nicht versucht, Whitney in irgendeinen Markt oder aktuellen Sound zu drängen”, sagte Davis. “Ich habe stattdessen darauf geachtet Songs zu finden, die zeitlos sind.”

Gott finden

Ähnliches sagte Houston selbst, als sie nach der Listening-Session für fünf Minuten zu Standing Ovations auf die Bühne kam. “Wir haben Songs gesucht, die in den Herzen der Leute überleben können, zu denen man tanzen, lachen und weinen kann.”

Ausladende Kommentare zu ihrem Martyrium der vergangenen Jahre ließ sie aus, sagte nur, alles, was sie dazu zu sagen habe, stecke in dem von R. Kelly für sie geschriebenen Titelsong: “Es gibt Zeiten im Leben, die sind nicht so gut. Das sind Zeiten, in denen man in sich selbst hineinschauen und den Geist und die Kräfte finden muss, die nur Gott dir geben kann. Davon handelt der Song und deshalb habe ich mein Comeback-Album nach ihm benannt.”

Gala Online | 15.07.2009

Zurück im Leben

Nach ihren letzten erschütternden Auftritten im Jahr 2001 hatte sich Whitney Houston in den vergangenen sieben Jahren fast völlig aus der Musikindustrie zurückgezogen – und augenscheinlich hat die Soul-Diva ihre Probleme mit Alkohol und Drogen in dieser Zeit endlich in den Griff bekommen: Am Dienstag (14. Juli) traf Whitney in London ein, um ihr neues Album bei einem exklusiven Listening zu präsentieren. “I look to You” soll Ende August in den Verkauf gehen.

Die 45-Jährige wirkte gesund und strahlte professionell, als sie am Abend im Londoner Mandarin Oriental Hotel eintraf und sich von “Top Shop”-Boss Sir Phillip Green herzlich in die Arme nehmen ließ. Mit Smokey Eyes, figurbetontem Kleid und einem schwarzen funkelndem Halsgeschmeide ließ Whitney keinen Zweifel: Die Diva ist zurück!

Wie die britische “Daily Mail” berichtet, kursierten im Internet bereits erste Tracks des neuen Houston-Albums – die Kritiken sollen sehr gemischt sein. Einige Stimmen behaupten offenbar, Whitney habe ihre Stimme durch ihren exzessiven Lebenswandel unwiederbringlich ruiniert.

Doch ihr exklusiv geladenes Publikum eroberte die Soul-Legende im Sturm: Der Abend wurde mit Standing Ovations beschlossen. Auch Plattenboss Clive Davis, der Whitney einst vor 25 Jahren entdeckte, glaubt fest an Whitneys Comeback: “Du vergisst es nicht mehr, wenn du es einmal gehört hast”, schwärmte er nach der Session und beschrieb das Album als eine echte Herzensangelegenheit für alle, die daran mitgewirkt haben.

Ihren ersten großen Schritt auf dem Weg zurück auf die Weltbühne hat Whitney Houston in London jedenfalls mit Bravour gemeistert – nichts erinnerte an diesem Abend mehr an die gestrauchelte Frau, die 2002 noch zugab, Marihuana, Kokain und Tabletten zu konsumieren und der es erst 2006 gelang, sich aus ihrer ungesunden Ehe mit Bobby Brown zu lösen. (gsc)

Süddeutsche Zeitung | 28.07.2009 | Tanja Rest

Die Ballade vom kaputten Leben

Der innere Feind ist besiegt: Sängerin Whitney Houston will noch einmal ganz nach oben und verarbeitet ihre Leidenszeit in einem neuen Album.

Auf whitneyhouston.com steht seit einigen Tagen ein YouTube-Link, Videoschnipsel von ihrem Listening Event in Los Angeles. Ein Saal voller Stars. Jane Fonda ist da, Halle Berry, Stevie Wonder, Magic Johnson, Iman, und natürlich der große alte Mann des Pop, Clive Davis. Projektionen an den Wänden versprechen: “She will always love you” und “The wait is over…” – das Warten hat ein Ende.

Dann kommt Whitney. Sie trägt ein klassisch-schwarzes Kleid und winkt gerührt ins Publikum, sie sieht besser aus, als man das nach einer Dekade im freien Fall für möglich gehalten hätte. “Dieses Album hat mich sieben Jahre gekostet, das war eine furchtbar lange Zeit”, sagt sie und schlägt die Hände vors Gesicht. Das eigentlich Interessante aber sind die Gesichter im Publikum. Begeisterung wäre noch untertrieben. Es ist eine Art enthusiastischer Ergriffenheit, wie sie nur Menschen empfinden können, die gerade das ganz große Happy End miterleben. Mit diesem 24. Juli in Los Angeles ist die irrlichternde Geschichte von Whitney Houston wohl endlich zu Ende erzählt.

Rekapituliert man einige der großen Karrieren des Pop, so ist es beinahe beängstigend, wie genau sie den Postulaten des klassischen Dramas folgen. Aufstieg. Fall. Und Läuterung. Britney Spears, die einmal als Jungfrau in die Ehe gehen wollte, musste sich im psychotischen Drogenrausch erst eine Glatze scheren lassen und das Sorgerecht für ihre Kinder verlieren, bevor sie im März 2009 zu ihrer ausverkauften Welttournee “Circus” aufbrechen konnte.

Michael Jackson verlor zuerst seine Physiognomie, dann seine Unbescholtenheit und schließlich sein Vermögen – hätte er sich von dieser Welt nicht voreilig verabschiedet, sie wäre in diesen Wochen bereit gewesen, ihn in der Londoner O2-Arena wieder in die Arme zu schließen. Amy Winehouse, die mal als kreuzbraves Talent galt, steckt vorläufig im Fegefeuer fest. Einzig Madonna war so klug, niemals als sie selbst anzutreten: Sie schickte ihre jeweils aktuelle Inkarnation ins Rennen, die dann stellvertretend triumphierte und alsbald zerstört wurde. Läuterung bedeutete bei Madonna immer: die Geburt einer neuen Madonna-Figur.

Whitney Houston war 20 Jahre alt und ein recht erfolgreiches Model, als sie entdeckt wurde – von Clive Davis, der zuvor schon Janis Joplin, Patti Smith und Bruce Springsteen aufgebaut hatte und seither nie ganz von ihrer Seite gewichen ist. Das Debütalbum 1985 hieß schlicht “Whitney Houston” und verkaufte sich allein in den USA 13 Millionen Mal. Auf dem Cover trug sie eine Perlenkette zur gerafften Robe und sah aus wie eine Klosterschülerin – die sie gewissermaßen ja auch war. In ihrer baptistischen Gemeinde in New Jersey sang Whitney mit ihrer Mutter Cissy im Kirchenchor Gospels, ihre Stimme überwand mühelos drei Oktaven. Sie galt als heilige Jungfrau des Soul, legendär dünnhäutig, hypernervös. Allein das Wort “Sex” in Interviews brachte sie damals an den Rand der Ohnmacht.

Bevor sie fallen konnte, musste Whitney Houston nach den Gesetzen der Branche aber zunächst ganz nach oben – und höher als sie stiegen in den achtziger Jahren nur wenige. Bereits das zweite Album, “Whitney”, schoss über Nacht an die Spitze der US-Charts und brachte diese unglaubliche und bis heute unerreichte Serie von sieben Nummer-eins-Hitssowie den zweiten Grammy Award. Whitney Houston wurde zur erfolgreichsten Sängerin der Welt und blieb doch ein unbeschriebenes Blatt. Keine Drogen, keine Sex-Geschichten, überhaupt wenig Privates. Von ihren Konzerten hieß es, sie seien perfekt, aber es fehle ihnen an Seele. Der Boulevard begann, sich ein wenig über das Sauberfräulein lustig zu machen. Was Anfang der Neunziger folgte – ein weiteres Album, der Film “Bodyguard”, die Hit-Single “I will always love you” – war immer noch enorm erfolgreich, doch es konnte der Whitney-Geschichte nichts hinzufügen. Die blieb überschaubar und auf makellose Weise unfertig.

Wenn sich bei “Deutschland sucht den Superstar” eine Kandidatin vorwerfen lassen muss, sie sei “zu perfekt”, dann kann man das zynisch finden. Aber es erzählt eben auch etwas über dieses Geschäft, in dem nie nur die Stimme, sondern immer auch die Biographie zu Markte getragen wird. 1992 heiratete Whitney Houston den R&B-Sänger Bobby Brown und schlingerte alsbald durch die Klatschblätter wie ein Dreimaster, an dessen Steuer keiner mehr steht. Kurz: Sie gab den Leuten etwas, über das sie reden konnten.

“Whitney Houston wiegt nur noch 40 Kilogramm!” (Hello Magazine). “Whitney und Bobby: Schlägerei in L.A.” (USA Today). “Whitneys Tochter hat ihre Mutter mit einer Rasierklinge bedroht und dann versucht, sich umzubringen.” (People Magazine). “Whitney Houston ist tot” (Radiomeldung aus dem Jahr 2001). Es war die Zeit, in der jeder alles behaupten konnte, weil es an Bord der Whitney keinen mehr gab, der noch hätte dementieren können.

Fotos zeigten die einstige Diva als ausgemergeltes und verwirrtes Drogenwrack, offenbar kam in dieser Lebensphase alles zusammen: Eheprobleme, Handgreiflichkeiten, der Streit um das Sorgerecht für die Tochter, nicht zuletzt Alkohol, Marihuana, Crack und Kokain. Whitney Houston erschien nicht mehr zu Proben, sagte Termine und Konzerte ab, sie ließ sich in eine Entzugsklinik einweisen und rannte nach wenigen Tagen wieder davon. In einem ihrer raren Interviews, bei denen sie noch bei Bewusstsein war, sagte sie: “Ich bin mein schlimmster Feind.”

Am 1. September wird also, nach einer Pause von sieben Jahren, ihr neues Album “I look to you” erscheinen. Der Titelsong ist eine schmelzende, eingängige Ballade, die an das Frühwerk nahtlos anschließen würde – wäre in der Zwischenzeit nicht alles anders geworden. Diesmal gibt es ja etwas, von dem Whitney Houston erzählen könnte, und sie selbst hat diese Erwartung noch geschürt. Die Aufs und Abs der letzten Jahre, den Schmerz, die Verzweiflung, all dies werde man auf ihrem Album wiederfinden. “Das macht es wahrhaftig.” Schon jetzt wird in den Musikforen im Internet jede Zeile der Lyrics auf ihren selbstreflexiven Gehalt hin abgeklopft, werden Vermutungen angestellt und Schlussfolgerungen gezogen – es gibt kein besseres Marketing als den möglichen Blick durchs Schlüsselloch auf ein kaputtes Leben. War Whitney nicht in der Hölle? Ist sie nicht deshalb zurückgekommen, um uns davon zu erzählen?

Von ihrem Mann Bobby Brown ist Houston seit zwei Jahren geschieden, die 16-jährige Tochter Bobbi lebt bei ihr. Es heißt, die Sängerin nehme schon länger keine Drogen mehr, habe ihr Leben wieder im Griff und sei bereit für “das Comeback des Jahres”. Falls sie glaubt, die Vergangenheit irgendwann abhaken zu können, so hat ihr Publikum vorerst wenig Interesse daran. “Wird sie kommen?”, notierte der Redakteur eines deutschen Promi-Blatts beim PR-Termin in London. “Die Spannung im Ballroom des Mandarin Oriental-Hotels steigt.”

So viel Drama gibt die wiedergeborene Whitney allemal her.

Quelle: Süddeutsche Zeitung

NDR 2 | August 2009

Jetzt bei NDR 2: Whitney Houstons neue Single

Whitney Houston ist wieder zurück! In den vergangenen zweieinhalb Jahren hat sie ein neues Album aufgenommen – das erste seit ihrem Drogenentzug. “I Look To You” wird Ende August 2009 erscheinen und wird vielleicht das größte Comeback des Jahres. Die erste Single hören Sie ab heute bei NDR 2. Der Song heißt “Million Dollar Bill”, wurde geschrieben von Alicia Keys, klingt zeitgemäß und dennoch ganz nach der Whitney Houston in ihren besten Zeiten: energiegeladen und gut gelaunt.

Über Nacht zum Superstar

Dabei hatte die Karriere von Whitney Houston so hoffnungsvoll begonnen: 1985 wurde sie über Nacht zum Superstar, ihr Debüt-Album “Whitney Houston” verkaufte sich bis heute über 13 Millionen Mal, Hits wie “Saving All My Love For You”, “Greatest Love Of All” und “How Will I Know” liefen um den ganzen Erdball. Die “Süddeutsche Zeitung” schrieb damals über den neuen Superstar: “Endlich durften die harmonieseligen Eltern und Großeltern vergessen, was die Popmusik 30 Jahre lang so schwer genießbar machte: Sex und Schweiß und Drogensucht, den aufmüpfigen Lärm und die unmoralischen Texte…” Der Nachfolger “Whitney” machte Houston dann zu einer der erfolgreichsten Popsängerinnen aller Zeiten – zur Prinzessin der schwarzen Pop-Musik mit Songs wie “Didn’t We Almost Have It All” und “I Wanna Dance With Somebody (Who Loves Me)”, ihrer ersten Nummer 1 in Deutschland.

Und dann, gerade als die Karriere bereits ein wenig am Abflauen war, kam 1992 der Film “Bodyguard”, die erste Rolle für Whitney Houston an der Seite von Kevin Costner. Mit ihren Hits bis zu diesem Zeitpunkt, mit ihrem fantastischen Ausehen und ihrer überirdischen Stimme erreichte Sie Millionen Fans auf der Welt, unter anderem mit “I’m Your Baby Tonight” und dem unerreichten “I Will Always Love You”. Doch dann begann der langsame Abstieg. Weder die späteren Alben noch Filme konnten die hohen Erwartungen vieler Fans erfüllen. Schon direkt nach der Hochzeit mit Bobby Brown gab es erste Trennungsgerüchte. Whitney Houston dementierte, aber der Druck war ihr anzumerken. Sie ließ Pressetermine und sogar Konzerte komplett ausfalllen, wirkte dünn und ausgezehrt. Das sah sie Ende der 90er Jahre immer noch nicht als Problem. Es sei normal, dass sie so dünn ist, sagte Whitney Houston damals: Beim Auftakt ihrer Deutschland-Tournee im August 1999 in Vechta wurde Whitney noch gefeiert, kaum ein halbes Jahr später erwischte die Polizei sie und Ehemann Bobby Brown am Flughafen mit Drogen im Koffer.

Das Sauber-Image der 80er und frühen 90er war zerstört, genauso wie die Karriere der Sängerin. 2001 unterschrieb sie zwar noch einen der wertvollsten Plattenverträge aller Zeiten, für 100 Millionen Dollar sollte sie sechs Alben produzieren. Von denen wurde aber nur ein einziges fertig. Denn seit 2001 musste Whitney Houston immer wieder Alkohol- und Kokain-Entzug mitmachen. Auf die vergangenen zehn Jahre angesprochen, sagte Whitney Houston vor kurzem noch in einem Interview für den Musiksender MTV: “Die Erlebnisse haben mich lebendig gemacht. Die Veränderungen, die Transformationen, die Tests, die wir bestehen. Alles hat seine Höhen und Tiefen, aber die meiste Zeit konnte ich mir treu bleiben, mit erhobenem Haupt durch das Leben gehen.”
Nun also das Comeback. Man darf gespannt sein, wo es hinführt…

Quelle: NDR 2

Sächsische Zeitung |07. 08. 2009 | Dietrich Nixdorf

Whitneys Auferstehung

Zurück aus der Hölle: Nach Jahren des Absturzes will Whitney Houston mit einem neuen Album noch einmal ganz nach oben.

Es gibt Bilder von Whitney Houston aus dem Jahr 2001, auf denen ist großes tiefes Elend zu sehen: Houston oder besser das, was Kokain, Crack und Alkohol von ihr übrig gelassen haben, steht beim 30. Bühnenjubiläum von Michael Jackson auf der Bühne. Sie wirkt verwirrt, ist krankhaft dürr. Die Haut spannt sich über den Knochen. Ein Mensch auf dem Weg nach unten. Acht Jahre ist das her, und abgesehen von ein paar Bildern und mäßig erfolgreichen Platten war es seitdem relativ ruhig.

Damit soll es nun vorbei sein. Whitney Elizabeth Houston, die am Sonntag 46 Jahre alt wird und früher mal die erfolgreichste Sängerin dieses Planeten war, will zurück. „I look to you“, so der Name des neuen Albums, soll am 1. September erscheinen. Es ist ihr erstes Studioalbum seit sechs Jahren und glaubt man den Bildern auf www.whitneyhouston.com, kündigt sich das triumphale Comeback einer schon Verabschiedeten an, die Geschichte einer Auferstehung.

Ein Früchtestand auf einer Insel

„The Wait is over“ – das Warten ist vorbei – versprechen Videoprojektionen während der Präsentationsveranstaltungen in New York, Los Angeles und London. Und alle sind sie da: Stevie Wonder, Alicia Keys und Barry Manilow. Houstons Cousine Dionne Warwick sowieso, dazu Jane Fonda und Clive Davis, der „Mann mit den goldenen Ohren“, Entdecker von Bruce Springsteen und Janis Joplin – und jahrzehntelanger Freund von Whitney Houston. Davis, 77, und Gründer von Arista Records, kommt die Erweckerrolle in dieser Auferstehungsgeschichte zu. Vor mehr als drei Jahren hat er Whitney Houston angerufen und gesagt: „Zeit, wieder zu arbeiten. Die Menschen wollen dich singen hören.“ Sie habe damals an eine Insel gedacht, auf der sie einen Früchtestand betreibt, sagt sie. An die Flucht aus einem Leben also, das in seinen Grundzügen einer klassischen Läuterungsgeschichte nahekommt: Aufstieg, Fall – und nun die Wiedergeburt?

Als 1985 das erste Album mit dem schlichten Titel „Whitney Houston“ erscheint, ist die Sängerin Anfang 20, Model und blütenrein. Sie singt mit ihrer Mutter in einem baptistischen Gospelchor in New Jersey. Sie liebt niemanden außer Gott und ihre Familie. Eine ideale Fläche für Sehnsuchtsprojektionen, ein umwerfender Verkaufsschlager voller Unschuld mit einer Stimme wie Schmelz, die über drei Oktaven geht. Das Album verkauft sich in den USA 13 Millionen Mal.

Der Nachfolger „Whitney“ schießt 1987 auf Platz eins der Billboard-Charts. Der „Rolling Stone“ schreibt irritiert von einem Album „voller Songs, die man heute abscheulich findet und morgen mitsingt.“ Nacheinander landen sieben Singles auf Platz eins. Whitney Houston ist dort, wo viele nie hinkommen: Ganz oben. Sie hat eine Affäre mit Eddie Murphy und gibt Robert de Niro einen Korb („Es wäre Karriereselbstmord, wenn ich mich mit einem Weißen einließe“).

Millionen verkaufter Platten folgen, 1992 das Filmdebüt in „Bodyguard“. Aus ihrem Privatleben ist wenig zu hören. Es gibt kaum Kritiker und wenn, finden sie nur ihre Konzerte etwas seelenlos.

Vielleicht wurde alles zu glatt, zu perfekt. Der Markt braucht Schicksale und Brüche. Sie gehören zum Star, wie seine Musik. Von Jim Morrison bis zu Britney Spears und Pete Doherty, die meisten haben diese Erfahrung gemacht. Insofern ist das, was Whitney Houston dann passiert, traurig aber konsequent.

Liebe und Selbstzerstörung

1992 heiratet sie den R&B-Sänger Bobby Brown und Amerika rätselt, warum ihn? „Er war meine erste Liebe“, wird sie später sagen. Und: „Sie haben uns keine sechs Minuten gegeben, aber wir haben es auf zehn Jahre gebracht.“ Es müssen harte Jahre gewesen sein. Zwar kommt 1993 Tochter Bobbi Kristina zur Welt, aber Brown macht eher durch Drogen von sich reden, bändelt immer wieder mit dem Gesetz an. Irgendwann gerät auch Whitney in den Abwärtssog. Sie werden mit Rauschgift erwischt, sie schlagen sich. Whitney sagt Auftritte ab. Immer neue Entziehungskuren. Wie Butter auf einem heißen Messer schliddert sie durch das Leben. Haltlos. 2001 meldet eine Radiostation, Whitney Houston liege im Sterben. Es ist ein furchtbares, ein haltloses Gerücht, aber alles scheint zu der Zeit möglich. Es erscheinen Platten, doch bestimmend sind Skandale. Die Sängerin scheint sich zu verabschieden.

Zurück aus der Hölle

Es ist nicht übertrieben, zu sagen, dass sich das bis vor Kurzem kaum geändert hat. Nun also der Neustart. Vielleicht wird er ein Erfolg. Denn Whitney hat jetzt eine verkaufsträchtige Geschichte: Sie scheint zurück aus der Hölle – und sie erzählt davon. „Ich wusste, wenn ich kein Vertrauen habe, schaffe ich es nicht durch diese schwere Zeit“, sagt sie. Und im Song, „I look to you“, einer Ballade von zeitloser Eingängigkeit, heißt es: „Jeden Weg, den ich einschlug, habe ich bereut. Ich weiß nicht, ob ich es schaffe. Ich kann nur den Kopf heben.“ Das Album enthalte alles, was sie zu den letzten Jahren sagen könne, lässt sie verbreiten. Es geht um Wahrhaftigkeit.

Bei ihren Plattenvorstellungen sieht Whitney blendend aus. Sie lacht. Sie scherzt. Sie bedankt sich für Liebe und Vertrauen. Und sie spricht von innerer Kraft. Es heißt, sie nehme heute keine Drogen mehr, lasse sich von ihrer Tochter inspirieren. Von Bobby Brown ist sie seit 2007 geschieden. Man darf gespannt sein auf den Fortgang der Auferstehung, denn Whitney Houston hat einmal auch etwas anderes gesagt: „Ich bin mein bester Freund – oder mein schlimmster Feind.“

Quelle: Sächsische Zeitung Online

dpa | 20.08.2009

Whitney kommt mit aller Macht zurück

London (dpa) – Ihr Comeback scheint US-Sängerin Whitney Houston (46) generalstabsmäßig zu planen. Ende des Monats kommt nach sieben Jahren Pause ihr siebtes Studioalbum heraus: «I Look to You». Damit einher geht laut «Mirror» ein Auftritt in der britischen Talentshow «X-Factor».

Für die Finalisten will Houston gar eine Masterclass abhalten. «Simon Cowell ist völlig hin und weg», so ein Insider über die Freude des «X-Factor»-Chefs, dass so ein großer Star bei ihm auftreten wird.

Und er ist nicht der einzige, den Houston beehrt: Am 14. September wird sie in der neuen Staffel von Oprah Winfrey der erste Gast sein. Auf kein Musikinterview hätte sie sich im vergangenen Jahrzehnt so sehr gefreut wie auf dieses, wird die US-Talkqueen bei der «New York Daily News» zitiert.

Whitney Houston hatte weltweit 170 Millionen Alben verkauft und war mit sechs Grammys ausgezeichnet worden. Doch die vergangenen sieben Jahre waren vor allem durch Ehe- und schließlich Scheidungsquerelen sowie Vorwürfen des Drogenmissbrauchs geprägt gewesen.

Quelle: u.a. ZEIT ONLINE

WELT ONLINE | 23.08.2009 | Harald Peters

Geschieden, geläutert, genesen

Sie war eine der erfolgreichsten Sängerinnen der 80er-Jahre. Dann stürzte sie ab. Jetzt ist Whitney Houston mit ihrem wunderbaren neuen Album “I Look To You” zurück

Mit ihrer Tochter auf eine sonnige Insel habe sie ziehen wollen und dort einen Obststand aufmachen, heißt es. Doch dann sei ihr Entdecker und Förderer Clive Davis plötzlich am Telefon gewesen, um sie zu überreden, doch noch ein paar neue Songs aufzunehmen. Offenbar hatte Davis Erfolg. Nach sieben Jahren ist Whitney Houston mit einem neuen Album zurück, wobei nicht die ungewöhnlich lange Pause verwundert, sondern eher der Umstand, dass Whitney Houston die lange Pause halbwegs unbeschadet überstanden hat.

Aber der Körper ist ein verzeihendes System und die Öffentlichkeit erst recht. Und so mögen ihr Jahre des Drogenmissbrauchs und der häuslichen Gewalt schwer zugesetzt haben, die mittlerweile 46-jährige Sängerin hat zu neuer Stärke gefunden. In der wunderbaren Erbauungsballade “I Didn’t Know My Own Strength”, einer der elf neuen Titel ihres Albums “I Look To You”, singt sie: “I crashed out and stumbled / But I didn’t crumble”. Sie ist gestrauchelt, aber nicht zerbrochen, auch wenn ihre Stimme mittlerweile deutlich rauer und tiefer klingt und so wohl von etlichen Verletzungen kündet.

Früher hatte man Houston oft vorgeworfen, ihre Stimme sei zu perfekt. Sie treffe zwar mit bewundernswerter Leichtigkeit jede noch so entlegene Note, doch leider mangele es ihrem Gesang an der notwendigen Dosis Seele und Gefühl, was bei einem Genre wie Soul zugegebenermaßen von Nachteil ist. Sie habe das Talent, aber nicht die entsprechende Lebenserfahrung, um glaubwürdig über Lebenskrisen und Liebesleid zu singen.

Aber woher hätte sie die Lebenserfahrung auch nehmen sollen? Sie wächst in geordneten Verhältnissen in einer Sängerinnendynastie auf. Ihre Mutter ist die Gospelkünstlerin Cissy Houston, die schon in der Begleitband von Elvis sang. Ihre Cousinen sind die Soulstars Dee Dee und Dionne Warwick, ihre Patentante heißt Aretha Franklin. Whitney schult ihre Stimme im örtlichen Gospelchor, besucht eine katholische Mädchenschule. Mit 14 Jahren ist sie erstmals auf einer Platte zu hören, mit 17 beginnt sie zu modeln und wird das erste schwarze Mädchen, das auf dem Cover des beliebten amerikanischen Teenie-Magazins “Seventeen” abgebildet ist. Mit 20 wird sie von Clive Davis in einem New Yorker Nachtklub entdeckt. Alles läuft ziemlich wunderbar nach Plan.

Davis, der in Jahrzehnten zuvor die Karrieren von Janis Joplin und Bruce Springsteen auf den Weg gebracht hat, verschafft Houston einen Plattenvertrag, ihr Debüt “Whitney Houston” erscheint 1985, bis heute verkauft es sich über 25 Millionen Mal. Die Songs “Saving All My Love For You”, “Greatest Love of All” und “How Will I Know” werden Hits, zwei Jahre lang wandert jede ihrer Singles an die Spitze der amerikanischen Charts, insgesamt sind es sogar sieben Nummer-eins-Hits in Folge – womit sie die Bee Gees und die Beatles als Rekordhalter ablöst. Sie ist der ideale Popstar für die späten 80er-Jahre. Fleißig, unbedarft, kommerziell und leicht verdaulich. Unvergessen das Regenbogen-Make-up und der Konfettiregen im Video zu “I Wanna Dance With Somebody”, herrlich wie sie beim Singen die Nase kräuselt. Mit ihrer Kombination aus Gesangsakrobatik, glatt polierter Produktion und großem Gefühl, das nichts bedeutet, ist Houston das Vorbild für eine ganze Generation von Soulsängerinnen, der heute noch jede “American Idol”- und “DSDS”-Kandidatin nachzueifern versucht.

Aber ihre stilprägende Kraft kam nicht überall gut an. In der zweiten Hälfte der 80er-Jahre war Houston derart präsent, dass der Schriftsteller Bret Easton Ellis in seiner Yuppie-Satire “American Psycho” Houston gleich ein ganzes Kapitel widmete, um ihr Schaffen als besonders kalt und unmenschlich zu entlarven. Doch da hatte er noch nicht ihre Version von Dolly Partons “I Will Always Love You” gehört, jenen Song, den Houston in ihrem ersten Film “Bodyguard” sang und der ihren Ruhm in unerreichte Höhen katapultierte. Und dann, auf dem Höhepunkt ihres Erfolgs, heiratete Whitney Houston den singenden Taugenichts Bobby Brown und stürzte dann langsam aber sicher ab.

Rückblickend wirkt es geradezu bewundernswert, mit welcher Hingabe sie die Selbstdemontage betrieb. Erst ließ sie nur ihre Karriere schleifen, anschließend sich selbst. Manchmal vergaß sie beim Singen den Text, verlor dramatisch an Gewicht, ließ sich mit Drogen erwischen, sah aus wie die Bahnhofsbettlerin, die schon vor Jahren den Zug verpasst hatte. Das großartige Album “My Love Is Your Love” war ein beeindruckender Versuch Karriere und Abstieg unter einen Hut zu bekommen, doch die Lust am Untergang war stärker.

Musikalisch hatte Houston in den vergangenen Jahren nicht allzu viel zu bieten, was aber nicht heißt, dass sie kulturell ohne Einfluss war. So sah man sie 2005 an der Seite ihres Gatten in der Reality-Soap “Being Bobby Brown”, die interessante Einblicke in den Alltag des Paares bot: Chaos, Irrsinn, schlechtes Benehmen und auch nach dreizehn Jahren Ehe noch eine unbändige Lust auf ehelichen Sex. Darin wollten nicht alle etwas Tröstliches sehen: Laut dem Magazin “The Hollywood Reporter” handelt es sich bei “Being Bobby Brown” “zweifellos um die abscheulichste und minderwertigste Serie, die je ihren Weg ins Fernsehen fand”. Darin erweiterte Houston unter anderem den in den USA beliebten Ausruf “Hell no!” um die Variante “Hell to the no!”, die von dem Sender “VH-1″ zum Zitat des Jahres gewählt wurde und in den USA mittlerweile in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen ist.

Doch trotz solcher Achtungserfolge drängte ihr Umfeld sie zur Trennung von Brown, weshalb sie ihn vor zwei Jahren verließ, einen gründlichen Entzug machte und nun geläutert, geschieden und gesund wieder im Rampenlicht steht.

Den Gesetzmäßigkeiten des Soul folgend, muss es sich bei dem jeweils neuesten Album um das jeweils persönlichste handeln, weshalb Whitney Houston auf “I Look To You” ihre schwierige Zeit zum Thema macht. In dem von R. Kelly geschriebenen Titelsong ruft sie den Herrgott um Beistand an, in “Like I Never Left” geht es um die verlorenen Jahre, und in “Worth It” geht es auch darum, dass die verlorenen Jahre nicht verloren waren.

Und tatsächlich hat Whitney Houston jetzt all das, was man zu Anfang ihrer Karriere vergeblich bei ihr suchte, mittlerweile ausreichend. Wenn sie heute ihren alten Hit “Where Do Broken Hearts Go?” anstimmt, hat man nicht mehr den Eindruck, sie hätte sich ein bisschen verlaufen und frage nur kurz nach dem Weg. Ihre Stimme klingt heute derart voll und gereift, dass es gar nicht nötig war, die neuen Stücke einem modernen Produktionsdesign zu unterwerfen. Und so ist “I Look To You” ein erfreulich altmodisches Werk mit einem deutlichen Balladen-Schwerpunkt geworden. Nur einmal kommt Whitney Houston wirklich in Schwung. In dem von Alicia Keys komponierten Stück “Million Dollar Bill” singt sie zu einem tollen Disco-Beat “Falls du dich wegen ihm wie eine Million Dollar Note fühlst, sag: Oh oh oh”. Manchmal braucht es zum großen Glück nicht viele Worte.

* Whitney Houston “I Look To You” erscheint bei Sony

Quelle: WELT ONLINE