Kultur: 21. April 2010, 01:04 Halstee und Spargeln


Sie ist wieder da: Nach Drogensucht und Ehedrama versucht sich die grosse Whitney Houston wieder auf der Bühne. Bild: ap/Shizuo KambayashiMit einer grossen Comeback-Welttournée will sich die tief gefallene Soul-Diva zurück ins Rampenlicht kämpfen. Über die letzten Jahre spricht sie nicht. Im Interview verrät sie aber, wie sie sich für die Show fit macht. Marc Mühlenbrock
Was hat Sie dazu bewogen, nach elf Jahren Pause wieder auf Tour zu gehen?
Whitney Houston: Seine Kunstfertigkeit zu üben und zu perfektionieren macht unheimlich Freude. Wenn ich auf die Bühne gehe, möchte ich, dass die Leute etwas mit nach Hause nehmen und sagen: «Dieses Lied, das sie gesungen hat, bleibt bei mir» oder «Dieser Gospel hat mich im Herzen berührt» oder «Sie hat mich glücklich gemacht».
In letzter Zeit wurde viel über Ihre Fitness gerätselt. Was tun Sie, um die Tour-Strapazen bewältigen zu können?
Houston: Ich schlafe genügend, benutze das Laufband oder gehe spazieren. Ich nehme gewisse Vitamine, um meinen Kreislauf in Gang zu halten, wie etwa mein B12. Es braucht einiges, um auf der Bühne Energie für neunzig Minuten ausstrahlen zu können.
Wie ernähren Sie sich?
Houston: Im Moment esse ich eine Menge Zwiebelsuppe und Spargeln. Das ist sehr hart, reinigt aber den Körper. Ausserdem trinke ich Halswohltee. Es gibt einige Dinge, die man pflegen muss, weil man in den alten Tagen, als man jung war, noch nicht so viel wusste und manches tat, das… Ich hatte damals eine Menge Geld, war verheiratet und hatte Kinder. Wir hatten es einfach sehr lustig! Dann wirst du älter und weiser und realisierst, dass du dir Sorge tragen musst, wenn du deinen Job machen und den Leuten eine Show bieten willst.
Was ist Ihre grösste Motivation?
Houston: Ich habe mich nicht einfach entschieden, ins Showbusiness einzusteigen, sondern wurde ins Showbusiness hinein geboren. Ich hatte schon mit drei Jahren meine ersten Auftritte. Mit fünf habe ich gesungen, mit neun hatte ich die Stimme einer zwanzigjährigen Frau. Obwohl ich schon mit vierzehn ein Angebot bekam, liess mich meine Mutter erst einen Vertrag unterschreiben, nachdem ich mit sechzehn die Highschool abgeschlossen hatte und die nötige Reife besass.
Bei der Comeback-Single «Million Dollar Bill» hat Ihnen Alicia Keys geholfen. Wie kam es zur Zusammenarbeit?
Houston: Ich habe Alicia vor zwei Jahren bei der Party kennengelernt, die unser Entdecker Clive Davis jedes Jahr vor der Grammy-Verleihung gibt. Ich habe ihre Musik immer genossen. Alicia ist eine sehr versierte Pianistin. Als ich mit ihr sprach, kam ich auf die Idee, dass es toll wäre, eine Platte mit ihr zu machen. Also habe ich gehandelt und sie gefragt, ob sie einen Song für mich produzieren würde. Sie hat nur eine Sekunde nachgedacht und dann zugesagt.
Wie funktionierte die Zusammenarbeit im Studio?
Houston: Sie war unglaublich, wir wurden sofort Freunde. Sogar mehr als das: Wir wurden Schwestern und rufen uns seither gegenseitig an, um zu erfahren, wie es der anderen geht.
Ihre Comeback-CD «I Look To You» hat weltweit Spitzenplätze erreicht. Was bedeutet Ihnen die Loyalität Ihrer Fans?
Houston: Sie zeigt, dass sie jemand hören wollen, der singt, und zwar über die Liebe – und das bereits seit 30 Jahren. Meinem Publikum ist es nicht so wichtig, dass jemand seine Kleider auszieht oder Softpornos macht… Sie wollen Liebe hören, Liebe fühlen und ihren Töchtern mit ihrer Erziehung Integrität, Würde und Stolz auf den Weg geben. Darum geht es.
Wie hat sich die Musik aus Ihrer Sicht in den letzten Jahren verändert?
Houston: Die Musik ändert sich nicht. Die Menschen ändern die Musik. Eigentlich ist die Musik ein Geschenk des Himmels. Als ich vor vielen Jahren begann, in der Kirche Gospel zu singen, war das noch so. Und es gibt da draussen auch heute noch ausserordentlich talentierte junge Frauen und Männer, die keine Halloween-Kostüme tragen müssen, um berühmt zu werden. Sie können einfach sich selbst sein. Ein wenig extravagant oder ein wenig sexy ist ja cool, aber es gibt Leute, die wirklich düster drauf sind. Angesichts der Tragödien, Erbeben und Katastrophen, welche die Menschheit ertragen muss, finde ich, dass es an der Zeit wäre, sich auf die Liebe zu besinnen.
Live: 9.5., Hallenstadion, Zürich; 10.5., Arena, Genf
Weitere Artikel zu diesem Thema :
http://www.tagblatt.ch/aktuell…..24,1530507