Als reife Diva zurück an die Chartsspitze

Von Tom Bullmann / 12.09.2009

Mit ihrem ersten Album nach sieben Jahren Studio-Abstinenz dürfte Whitney Houston ihren Ruf als eine der erfolgreichsten Sängerinnen überhaupt festigen. „I Look To You“ ist das Werk betitelt, das zum Startschuss für ein ungeahntes Comeback zu werden scheint.

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Strahlend zurück im Rampenlicht: Whitney Houston. Foto: Sony

In den USA, Deutschland und vielen anderen Ländern der Welt schnellte das Album auf die ersten Plätze der Charts. Ihre „Ultimate Collection“, die im letzten Jahr veröffentlicht wurde und damals so recht niemanden interessierte, kletterte jetzt auch gleich auf Platz 39 der deutschen Charts.

Wie eine reife Diva schaut die schwarze Sängerin auf dem CD-Cover aus. Kein Versuch ist zu bemäkeln, die 43-Jährige (*) auf jung zu trimmen – auf dass sie in den aussichtslosen Wettbewerb mit unzähligen Konkurrentinnen im Teeniealter einsteige.

Das hat „The Voice“, wie Houston genannt wird, nun wirklich nicht nötig. Sie war die erste, die in den 1980er-Jahren schwarzen Soul mit blütenweißem Pop zu einer Mischung verband, die quer durch die gesellschaftlichen Schichten, unabhängig von der Hautfarbe, akzeptiert wurde.

Kritiker machte sie mit ihrer Stimme mundtot, da sie ohne Mühe durch mehrere Oktaven zu driften in der Lage war. Außerdem sah sie auch noch gut aus und verfügte über schauspielerisches Talent, sodass es ihrem Entdecker Clive Davis gelang, sie in den Neunzigerjahren auch als Hollywood-Star aufzubauen: Ihr größter Erfolg war der Film „Bodyguard“, in dem sie an der Seite von Kevin Costner spielte zu dessen Soundtrack (übrigens mit 17 Millionen verkauften Exemplaren immer noch der erfolgreichste der USA) sie auch sechs Songs beitrug.

Dann kam der Absturz. Die Ehe mit dem damals noch erfolgreichen R’n’B-Sänger Bobby Brown schien die Hölle für Whitney Houston zu werden. Drogensucht, finanzieller Ruin, Skandale: All das, was die Regenbogenpresse gern in großen Schlagzeilen kolportiert, lieferte der gefallene Engel im Übermaß. Nun dürfen Soziologen darüber rätseln, warum das Publikum ihren Stars Exzesse und Verfehlungen gerne nachsieht: Ob Michael Jackson, Pete Doherty, Amy Winehouse oder Whitney Houston, wen stört das Private oder die Vergangenheit? Hauptsache, die Musik stimmt. Und wie hört sich „die Neue“ von Whitney denn an? „I Look To You“ bietet musikalisch keine Überraschungen. Das hat auch niemand wirklich erwartet.

House- und Discobeats liefern tanzbar-treibende Fundamente zu Songs, an denen Ikonen wie R. Kelly, David Foster und Akon beteiligt waren. Alicia Keys schrieb und produzierte die erste Singleauskopplung „Million Dollar Bill“.

Natürlich gibt es auch jede Menge ruhigere, balladeske Lieder, die sich hymnisch in die Gehörgänge fräsen. Dabei verzichtet die Diva auf die koloraturhaften Beweise überirdischer Stimmgewalt. Stattdessen geht „The Voice“ eher erdig vor, lässt auch mal eine heisere, raue Passage zu und bietet so einen reizvollen Gegenpol zu den nach wie vor leicht zugänglichen Instrumentaltracks.

Quelle: Neue Osnabrücker Zeitung
(*) Anmerkung von whitney-fan.de: Whitney Houston wurde am 09. August 1963 geboren (Alter: 46 Jahre).


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